New KEYLENS – eine Frage der Glaubwürdigkeit

Es gibt Tage im Leben, es gibt ganz präzise benennbare Momente, da weiß man: Es muss, es wird sich etwas grundlegend verändern. Einen solchen Tag gab es auch bei KEYLENS …

Als Unternehmensberater, richtiger: als Strategieberater, kommt man Unternehmen und den wenigen, denen sie gehören bzw. die sie führen, manchmal sehr nahe. Als Berater wird man auch und vor allem deshalb gehört, weil diese Unternehmen an einem Punkt sind, an dem sie wissen oder zumindest glauben, Rat von außen zu brauchen.

Wenn man dann beginnt, mit einem Team ein solches Unternehmen mit seinen Menschen zu durchdringen und zu verstehen, dann reifen in Projekten bisweilen Überzeugungen und Empfehlungen, die durchaus fundamentaler Art sein können: insbesondere dann, wenn sie die grundlegende Strategie und mehr noch die Führung und Kultur eines Unternehmens betreffen. Es geht dann ans „Eingemachte“ – und wenn man sich nicht hinter 64 Seiten PowerPoint verstecken möchte, dann braucht es Gespräche und Meetings von großer Offenheit und Wahrhaftigkeit.

Nun kennen Sie vielleicht den alten Berater-Witz vom Eunuchen – er ist nicht übermäßig gut, hat aber einen wahren Kern. „Wie kann ich über dasjenige Reden schwingen, was ich selber noch nie getan habe?“ Wie also will man Eigentümern und Managern von zum Teil eindrucksvollem Format und mit großer operativer Verantwortung weitreichende Empfehlungen geben, wenn man selber doch immer nur reden (und eben empfehlen) musste, aber nicht selber machen. Hier liegt nach meiner Auffassung ein ganz großer „Knackpunkt“ der Beraterzunft: Woher nimmt ein Berater seine Glaubwürdigkeit? Insbesondere dann, wenn es nicht um Strategie, Konzepte, Ideen geht (da nimmt man ihn noch ernst, weil er gescheit ist), sondern wenn es z. B. um Umsetzung im großen Stil oder Führung geht.

Aber halt! Stimmt es eigentlich, dass ein Berater nicht selber macht? Schließlich führt er als Partner ja oft durchaus ein eigenes, oft mittelständisches Unternehmen? Nur: Wie gut führt er es – oder gilt gar das Bild des Schusters mit dem schlechtesten Leisten?
Womit wir bei der Geschichte von KEYLENS wären. Hier kam 2013 der eingangs erwähnte Tag, an dem klar wurde: Es muss sich alles ändern! Warum? Nicht, weil wir nicht erfolgreich waren, sondern weil das, was wir waren, nicht reichte – nämlich eine gut aufgestellte und positionierte Beratungsboutique mit der Erfahrung von rund 300 Projekten in 13 Jahren. Im Jahr 2000 von Archibald Graf von Keyserlingk und Dr. Peter Lensker gegründet und mit einer klaren Spezialisierung auf marktorientierte Führung und insbesondere Marken- und Kundenmanagement, Marketing und Vertrieb.

Nein, es wurde klar: Beratung insgesamt musste sich verändern. Seit Jahren schon sprachen viele über die „Krise der Beratung“. Manager Magazin, Brand eins, Wirtschaftswoche, Handelsblatt … alle gaben sich die Klinke in die Hand mit der Erkenntnis: Eine Branche muss sich neu erfinden. Und genau da war sie: die Frage der Glaubwürdigkeit. Wie seinen Kunden mit Überzeugung in die Augen schauen, wenn man doch selber auf die großen Probleme der eigenen Branche nur ein „try harder“ übrig hatte?

Und genau das wollten und konnten wir nicht. Dies war die Geburtsstunde für etwas Neues – für Ideen wie: Die klassische Beratung funktioniert wie unsere Schulmedizin: mechanistisch, in ihrer Perspektive viel zu eng und eingeschränkt. Was lehren uns z. B. Ayurveda und Traditionelle Chinesische Medizin? Ein ganzheitliches Bild des Menschen. Und braucht es das nicht auch, wenn der Patient ein Unternehmen ist? So machten wir uns auf den Weg, stellten das alte KEYLENS auf den Kopf, veränderten Strategie, Struktur, Kultur, Team – und fanden stratact, eine Expertenbewegung aus Österreich, die sich aus anderer Richtung aufgemacht hatte – mit ähnlichem Ziel. Es war auf einer gemeinsamen Bergwanderung, als zum ersten Mal der Satz fiel: „Wir brauchen ein radikal anderes Modell der Beratung …“

4 thoughts on “New KEYLENS – eine Frage der Glaubwürdigkeit

  1. Bastian sagt:

    Hi Joerg!
    Good Read! Habe mit großem Interesse deinen Artikel gelesen.
    Hoffe Euch geht es gut. Klingt sehr spannend. Sich selbst professionell / das eigene Unternehmen neu zu erfinden… wann ist man näher dran, dass umzusetzen was man sonst als Stratege empfiehlt?
    Cheers,
    Bastian

  2. Jörg sagt:

    Hi Bastian,
    schön von Dir zu hören. Und ja: das war sehr spannend, das eigene Unternehmen neu zu erfinden. Das kostet Kraft – das gibt auch viel Kraft. Und das Feedback vom Markt lässt Großes erahnen. We will see :-), lgj

  3. Karsten sagt:

    Das ist nicht das klassische wir sind anders. Das ist authentisch.

  4. Jörg sagt:

    …danke, Karsten, das freut mich und uns, dass Du das schreibst. Hast Du absolut richtig erkannt;-)
    Gibt dabei 2 echte Schwierigkeiten: 1. wirklich anders sein, und 2. (nicht zu unterschätzen) es so rüberzubringen, zu schreiben, auszudrücken, dass es glaubwürdig ist und nicht wie das typische „ach wir sind ja so umsetzungsorientiert“ rüberkommt… , lgj

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