Sie nehmen > 99,99 % der Umwelt nicht wahr

Ich hoffe, Ihnen ist klar, wie blind Sie durch die Welt gehen: 99,99 % der Informationen nehmen Sie nicht wahr. Physisch. Diese sind also nicht ausgeblendet, sondern kommen einfach nicht im Gehirn an. Und der Rest ist immer noch so viel, dass Ihr Gehirn laufend Informationen ausblenden muss. Dieses Erfolgsrezept lässt uns erfolgreich (über)leben, ist aber auch die größte Hürde für Veränderungen. Erfolgreiche Veränderung braucht daher positive Erfahrungen. Darauf baut unsere Höchstleistungs-Methodik auf.

Sehen Sie sich um und Sie sehen eine Vielzahl an Informationen: Die Wiese ist grün, der Computerbildschirm ist warm, die Luft riecht stickig und vieles mehr. All das sind Informationen und all diese unzähligen Informationen machen die Umwelt so unglaublich reich und vielfältig. Und dabei sehen, riechen, schmecken Sie gar nicht alles.

Ultraschall? Infrarot? Fehlanzeige.

Unser Auge nimmt damit nur 0,013 % der möglichen [1] Frequenzen wahr, die nach unseren Maßstäben bildgebende Informationen enthalten. Ähnlich verhält es sich mit dem Ohr oder dem Tastsinn.
Beeindruckend klein ist auch das Riechvermögen des Menschen. Je nach Substanz müssen ca. 10 Millionen Moleküle von ebendieser vorhanden sein, um als Geruch vom Menschen wahrgenommen zu werden. Zum Vergleich: Das beste Geruchsvermögen hat der europäische Aal (Anguilla anguilla). Er ist in der Lage, einen Duft anhand von nur zwei Molekülen wahrzunehmen (vgl. TEICHMANN, 1957, S. 246f). Dementsprechend verfügt der Mensch nur über 0,00002 % des möglichen Geruchsvermögens.
Diese Berechnungen und Verhältnisse sollen eines verdeutlichen: Der Mensch ist schon physisch nicht in der Lage, auch nur im Ansatz die Umwelt in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Nie stehen uns also alle Umweltinformationen zur Verfügung – über 99 % dringen nicht bis ins Bewusstsein des Menschen [2].

Und die restlichen 0,01 %?

Das ist die Welt, wie wir sie wahrnehmen, und die ist immer noch so komplex, dass wir psychische Strategien entwickelten, um in dieser komplexen Umwelt erfolgreich zu (über)leben – hier die wichtigsten:

  1. Selektive Wahrnehmung
    Ein Phänomen, das jeder kennt: Es regnet, man sucht nach einem Taxi und plötzlich sieht man lauter Taxis. Man ist schwanger und plötzlich sieht man nur noch schwangere Frauen. Die selektive Wahrnehmung ist ein dynamischer Filter unseres Gehirns, der immer die Informationen einblendet, die gerade wichtig sind.
  2. Einfache Entscheidungsregeln (Heuristiken)
    Wir Menschen teilen uns grundsätzliche Entscheidungsregeln, auf deren Basis wir Situationen beurteilen. Groß ist stärker, dunkel ist schwerer, hell ist reiner, bekannt ist vertrauenswürdig und viele mehr. Auf diese vertrauen wir von Kindheit an und sie begleiten uns ein ganzes Leben.
Die wichtigste Antwort auf Komplexität sind aber Routinen und Gewohnheiten.

Unser wichtigstes Instrument sind aber Routinen und Gewohnheiten, für jede Situation haben wir eine Gewohnheit, um mit dieser umzugehen. Diese Gewohnheiten beruhen auf unseren Motiven, Persönlichkeit und Umwelt. Ein introvertierter Mensch baut andere Routinen auf als ein extrovertierter. Das Besondere: Die zentralen Gewohnheiten werden im Kindheits- und Jugendalter geprägt und bestätigen sich dann immer wieder.
Das ist der Hauptgrund für die Herausforderung, die Veränderung und die Implementierungslücke. Es hat bis jetzt funktioniert, sehr gut sogar – ohne die neue Strategie, ohne die neuen SLA’s und so weiter.

Veränderung heißt, mit den Gewohnheiten brechen, die mich bisher erfolgreich machten. 

Veränderung geschieht nicht automatisch, nur weil man es will, weil es neue Vorgaben gibt, oder auch nicht, wenn die Veränderung eigentlich rational sinnvoll wäre (Stichwort Rauchen aufhören, gesünder leben etc.).
Erfolgreiche Veränderung braucht positive Erfahrungen. Darauf baut unsere Höchstleistungs-Methodik auf: Regelmäßige Erfolgsbeiträge sorgen für eine Vielzahl von positiven Erfahrungen mit der neuen Situation. Darauf gründen sich neue Gewohnheiten, die Erfolgsgewohnheiten.


Quellen und weiterführende Literatur:

Achtziger, A., & Gollwitzer, P. (2010). Motivation und Volition im Handlungsverlauf. In J. Heckhausen & H. Heckhausen (Eds.), Motivation und Handeln (4th ed., pp. 309–334). Berlin: Springer.

Betsch, T., Funke, Joachim, Plessner, Henning (2011). Denken – Urteilen, Entscheiden, Problemlösen: mit 14 Tabellen. Berlin [u. a.: Springer].

J. Heckhausen & H. Heckhausen (Eds.), Motivation und Handeln (4th ed., pp. 146–192). Berlin: Springer.

Teichmann, Harald (1957). Das Riechvermögen des Aales (Anguilla anguilla).
Naturwissenschaften, 44(7), p. 242. doi:10.1007/BF00595813.

Solso, R. L. (2004). Kognitive Psychologie (1st ed.). Springer Berlin Heidelberg.

Anmerkungen:

[1] Um zu einem relativen Wert des Auges zu kommen, wurden als Minimum 0 nm und als Maximum 3.000.000 nm (ca. die max. Wellengröße von Terahertzstrahlung; eingesetzt z. B. für Spektroskopie) angenommen und in das Verhältnis mit 400 nm (die Länge des Spektrums der wahrnehmbaren Farben ist von 780 nm bis 380 nm) gesetzt. Diese Rechnung ist aus einer physikalischen Sicht kritisch zu sehen. Erstens sind die Grenzen fließend und zweitens müsste man jede Wellenlänge als bildgebend ansehen – da es ja nicht um Visualisierung, sondern um Informationen geht. Die Rechnung soll aber nur das Ausmaß der Eingeschränktheit des Auges verständlich machen und scheint daher für diesen Einsatzzweck akzeptabel.


[2] Natürlich kann die Informationsvielfalt durch Hilfsmittel wie z. B. einem Infrarotmessgerät erhöht werden, aber auch dann werden die Informationen in für den Menschen wahrnehmbare Informationen umgewandelt – das führt aber auch zu einer Komprimierung bzw. Interpretation der Informationen. Eine Wärmebildkamera nutzt zwar die Informationen des Infrarotspektrums, wandelt diese aber auch wieder in Farbverläufe von blau (kalt) bis rot (warm) um. Damit wird Information wieder durch einen Algorithmus interpretiert, verändert und für den Menschen wahrnehmbar dargestellt. Gleichzeitig können diese Informationen nur bewusst verarbeitet werden, was wie später dargestellt, einigen Kapazitätseinschränkungen unterworfen ist.

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