Je konkreter der Plan, desto höher die Willenskraft

Sie haben einen Vorsatz gefasst: Sie wollen mehr Sport betreiben, und jetzt läutet Ihr Wecker. Zwei verschiedene Ziele konkurrieren miteinander: Liegen bleiben vs. Sport machen. In welchem Szenario, glauben Sie, werden Sie eher Ihren Vorsatz realisieren? A: Sie haben für sich fix definiert, dass Sie laufen gehen, konkret die 2 km lange Strecke im Wald hinter Ihrem Haus, dafür brauchen Sie 15 Minuten, danach duschen und ein Glas Orangensaft; oder B: Sie wachen auf und überlegen sich, welcher Sport überhaupt in Frage käme. Und unter Umständen entscheiden Sie sich für eine Sportart und überlegen, wie man die durchführt …

Nun, bevor die oben initiierte Entscheidungssituation zu lächerlich wird – es ist natürlich A. Und das hat einen spannenden, psychologischen Hintergrund. Unsere Emotionen regulieren unser Verhalten und verfolgen dabei ein klares Ziel: Immer die naheliegende, direkte Wirkung. Inwieweit ein Mensch in der Lage ist, im Sinne eines längerfristigen Ziels zu handeln, hängt von der Volition oder Willenskraft ab.

Wie stark diese Willenskraft ist, hängt von der Bewusstseinslage ab, in der man sich befindet. Wir unterscheiden hier zwischen zwei verschiedenen Zuständen: dem abwägenden und dem planenden. Diese unterschiedlichen kognitiven Zustände sorgen dafür, dass nur die Informationen wahrgenommen werden, die für eine Umsetzung notwendig sind. Im abwägenden Zustand werden vermehrt Informationen wahrgenommen und bewertet, die einzelne Handlungsoptionen in einem Vergleich einander gegenüberstellen. Im planenden Zustand hingegen werden Informationen bevorzugt verarbeitet, die konkrete Schritte zum Ziel aufzeigen. Der planende Zustand unterstützt eher die Umsetzung eines längerfristigen Ziels.

Experimente zeigten, dass dieser Zustand aktiv induziert werden kann. Der planende Zustand wird zum Beispiel induziert, indem der Proband gebeten wird, die nächsten fünf notwendigen Schritte zu einem Ziel, mit Anforderung und Zeitpunkt, festzulegen. Dies funktioniert aber auch subtiler: Probanden, die in einer persönlichen Entscheidungsphase waren, wurden gebeten, Durchgänge für ein Experiment zu reihen. Dieses Experiment hatte nichts mit der persönlichen Entscheidungssituation der einzelnen Probanden zu tun, aber durch die Anforderungen der Planung wurden diese in einen planenden Zustand versetzt. Die abwägende Phase wurde in diesem Experiment induziert, indem eine andere Gruppe, kurz bevor sie sich für die Reihenfolge entschieden hatte, unterbrochen wurde.

Die Gruppen, die in den Planungszustand versetzt wurden, erreichten ihre aktuellen persönlichen Ziele eher, wohingegen die, die in den abwägenden Zustand versetzt wurden, diese weniger oft erreichten.

Die Willenskraft ist also erhöht, wenn sich der Mensch in einem Planungszustand befindet, da er dann vermehrt relevante Informationen zur Umsetzung wahrnimmt und weniger ablenkende und verwirrende Informationen, wie im Zustand des Abwägens. Und dieser kann leicht hergestellt werden: Indem man die notwendigen nächsten Schritte ganz konkret festlegt.

 

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