V, U oder L? COVID-19 und die Bauzulieferindustrie

Unternehmensübergreifender Austausch in der Bauzulieferindustrie zu Maßnahmen und Zukunftsszenarien im Kontext von COVID-19

Gestern Abend fand im Rahmen einer Video-Konferenz der erste von KEYLENS initiierte unternehmensübergreifende Austausch in der Bauzulieferindustrie zur COVID-19-Krise statt. Im Rahmen einer 60-minütigen Diskussion wurden Erfahrungen ausgetauscht und diskutiert.

Themen waren bspw.:

  • Welche Maßnahmen wurden von den Unternehmen initiiert, um mit der herausfordernden Situation umzugehen?
  • Auf welche Entwicklungsszenarien bereiten sich die Unternehmen vor?
  • Oder: Ergeben sich auch Chancen?

Teilnehmerübergreifend wurden bereits zu Beginn der Infektionswelle in Europa Maßnahmen getroffen, das Infektionsrisiko für Mitarbeiter und Angehörige zu minimieren – bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Geschäftstätigkeit. Die Unternehmen haben ihre Arbeitsweisen und Supply Chains in einem noch nie dagewesenen Tempo verändert und neu ausgerichtet. Homeoffice ist dort wo möglich zum „neuen Normal“ geworden. Video-Konferenzen ersetzen langwierige Meetings. Und auch für Kunden sind Video-Konferenzen und Telefonate statt persönlicher Besuche mit langwierigen Anfahrten nicht nur selbstverständlich, sondern in Bezug auf Kundenbetreuung und Generierung von Neugeschäft sehr erfolgreich.

Ein Teilnehmer berichtete, dass es sogar gelungen sei, eine ganze Produktionslinie innerhalb von zwei Tagen an einen anderen Standort zu verlegen, um gesundheitliche Risiken für Mitarbeiter zu minimieren und einem drohenden Shutdown zuvor zu kommen.

Interessant war der Austausch dazu, welche Ansätze die Unternehmen nutzen, um eine jeweils für sich belastbare Faktenbasis aufzubauen: Das Spektrum reichte von internen Arbeitsgruppen  über systematische und regelmäßige Befragungen der Top-Kunden nach deren Einschätzung bis hin zu einer systematischen Analyse der Entwicklung der Infektions- und Todeszahlen in den einzelnen Ländern, um die Dauer des zu erwartenden Stillstands der Geschäftstätigkeit bzw. der Wiederanlaufkurve nach dem Shutdown zu prognostizieren.

Zum heuten Zeitpunkt geht keiner der Teilnehmer mehr von einem europäischen V-Verlauf dieser Krise aus. Auch ein L-Verlauf wird derzeit nicht erwartet. Mindestens einmal für Deutschland gehen die Teilnehmer – vor dem Hintergrund der politischen Unterstützungsmaßnahmen – von einem U-Verlauf aus. Kurzfristig sind also größere Einschnitte zu erwarten. Mittel- und langfristig besteht jedoch Planungssicherheit. Zwei Aspekte sind in diesem Kontext zu berücksichtigen: nämlich ob die U-Kurve eher die Form einer „Badewannen-Kurve“ bekommt, wie es einer der Teilnehmer nannte, wenn die Krise und die Showdown-Maßnahmen länger andauern, und ob die Gefahr eines „Double Dip“ besteht, wenn die Infektionsraten zu einem späteren Zeitpunkt (bspw. im Herbst) wieder ansteigen und erneut Ausgangsbeschränkungen verhängt werden.

Während alle Teilnehmer von einem erfolgreichen ersten Quartal berichtet haben – z. T. auch bedingt durch Hamsterkäufe im März –, variieren die Umsatzerwartungen für das kommende Quartal bzw. das gesamte Jahr 2020. Zum Teil erwarten die Teilnehmer eine Halbierung des Umsatzes in Q2 2020. Aufgrund der Vollauslastung bei Handwerksbetrieben wird nicht erwartet, dass Umsatzrückgänge aus Q2 bis zum Jahresende wieder kompensiert werden – selbst wenn das klassische, urlaubsbedingte Sommerloch dieses Jahr ausfallen dürfte. Von daher rechnen die Teilnehmer auf das Gesamtjahr gesehen mit mindestens einstelligen ggfs. sogar zweistelligen Umsatzrückgängen. Letzteres hängt davon ab, wann in Deutschland und den anderen Ländern eine Normalisierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens eintritt und ob es einen „Double Dip“ gibt.

Interessant waren die Erfahrungen mit den digitalen Handelsplattformen, insbesondere Amazon. Entgegen den Erwartungen ist der Umsatz dort rückläufig. Grund ist nicht die verringerte Nachfrage bei Amazon-Kunden, sondern die Tatsache, dass Amazon seinen Produktfokus in dieser COVID-19-Krise weg von Artikeln der Bauzulieferindustrie hin zu Artikeln des täglichen Bedarfs (z. B. Toilettenpapier) verschiebt und Lagerkapazitäten und Vermarktungsfokus entsprechend umpriorisiert werden. Insofern müssen für die Zukunft die Online-Vermarktungsstrategien neu ausgerichtet werden, um Abhängigkeiten von großen Plattformbetreibern zu vermeiden.

Gleichwohl ließ sich in der schwierigen gegenwärtigen Situation ein positiver Grundtrend in unserer virtuellen Konferenz identifizieren: Alle Diskussionsteilnehmer halten trotz bröckelnder Umsätze an ihren Ideen und Innovationen fest, um die Zukunft besser zu gestalten als die Vergangenheit.

Herzlichen Dank gilt allen Teilnehmern für ihre offenen Beiträge zur Bewältigung dieser Ausnahmesituation. Uns hat es Spaß gemacht.


KEYLENS gibt es, um Unternehmen durch mehr Marktorientierung erfolgreicher zu machen. Unser Ansatz dazu: Customer Centricity. Wir sind eine Strategieberatung mit der Bauzulieferindustrie, d. h. der Bauindustrie mit Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe, als einem von 5 Branchenschwerpunkten. Als Strategie-/ Unternehmensberatung beraten wir Hersteller, Großhändler, Fachhändler und DIY-Ketten “end to end” bei folgenden Themen: Wachstumsstrategie, Kundenzentrierung und Kundenmanagement, Customer Experience Management, Marketingstrategie, Vertriebsstrategie sowie Digitale Transformation.


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