Nestbau oder Kostensenkung?

Zweiter unternehmensübergreifender Austausch in der Bauzulieferindustrie zu Maßnahmen und Zukunftsszenarien im Kontext von COVID-19

Gestern Abend fand die zweite von KEYLENS initiierte Videokonferenz zum unternehmensübergreifenden Austausch in der Bauzulieferindustrie zur COVID-19-Krise statt. Nachdem im ersten Gespräch Anfang April diverse Zukunftsszenarien und Konzepte zur Bewältigung der COVID-19-Krise diskutiert worden waren, drehte sich nun alles um die veränderte Marktlage und die Konsequenzen aus der Lockerung der Kontaktbeschränkungen der Bundesregierung vom 15. April 2020.

Während manche Wirtschaftszweige, wie beispielsweise der Tourismus oder der Bereich Personentransport, nahezu komplett lahmgelegt sind, entwickelt sich die Bauzulieferindustrie segmentübergreifend noch verhältnismäßig gut. Nahezu alle Konferenzteilnehmer beobachteten in der Osterwoche sinkende Verkaufszahlen, verzeichnen aber trotz Krise eine anhaltend hohe Nachfrage im Inland. Ob der Umsatzrückgang auf die COVID-19-Krise oder die Osterzeit zurückzuführen ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

Im SHK-Bereich ist eine deutliche Verschiebung der Nachfrage von Sanitärprodukten zu Heizungsprodukten erkennbar, die den Zulieferern aktuell Umsatzanstiege beschert. Unternehmensvertreter bezeichnen die Entwicklung gar als „Nestbauszenario“. Auch das Klimapaket der Bundesregierung mit dem Ziel, die Emissionen nachhaltig zu reduzieren, greift in dieser schwierigen Phase den Herstellern unter die Arme.

Im Projektgeschäft hält die hohe Nachfrage nach gewerblich oder kommunal genutzten Immobilien weiter an. Geplante Renovierungen werden häufig vorgezogen, um die aufgrund der COVID-19-Krise leerstehenden Objekte bereits jetzt zu modernisieren. Dies ist beispielsweise in Bildungseinrichtungen oder öffentlichen Gebäuden der Fall.

Im privaten Renovierungsbereich ist eine ambivalente Entwicklung zu beobachten: Von ‚Jetzt erst recht: Wenn wir schon zuhause bleiben müssen, machen wir es uns wenigstens schön und renovieren Haus oder Wohnung‘ bis zu ‚keine fremden Handwerker in den eigenen vier Wänden, um die Infektionsgefahr zu reduzieren‘.

Aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklungen wird mit einem Einbruch der Bauanträge gerechnet, was aber wohl erst 2021 Auswirkungen haben wird. Ohnehin kommt es punktuell zu Lieferengpässen bei aus dem Ausland importierten Komponenten, die den Haus- und Wohnungsbau zunehmend bremsen.

Unternehmensübergreifend wird mit einem signifikanten Einbruch der Auftragseingänge in den Monaten Mai, Juni und Juli gerechnet. Um Arbeitsplätze trotz Auftragsrückgang zu sichern, ist für den Monat Mai übergreifend Kurzarbeit angemeldet worden. Kurzarbeit wird aber auch dazu genutzt, Mitarbeiter der Risikogruppen vor Infektionen zu schützen. Die Unternehmensvertreter rechnen in den Quartalen drei und vier mit einer Erholung der Auftragslage. Die anhaltende Vollauslastung der Handwerksbetriebe macht es aber unwahrscheinlich, den verlorenen Boden aus dem zweiten Quartal wieder zu kompensieren. Auch ein mögliches Ausbleiben des urlaubsbedingten Sommerlochs wird daran nichts ändern.

Bereits jetzt ist auf den großen Exportmärkten der Bauzulieferindustrie, wie den USA oder Russland, ein hoher Nachfragerückgang zu verzeichnen. Während in den USA die Arbeitslosenzahlen erneut signifikant gestiegen sind und so die Kaufkraft der Volkswirtschaft verringert wird, ist es in Russland die Abwertung des Rubels aufgrund des fallenden Ölpreises, der die Kaufkraft stark reduziert.

In der Pressekonferenz der Bundesregierung am Mittwoch wurden die geltenden Kontaktbeschränkungen bis zum 4. Mai 2020 verlängert. Während kleinere Geschäfte abhängig vom Bundesland mit bis zu 800 Quadratmetern Geschäftsfläche unter strengen Infektionsschutzvorgaben wieder öffnen dürfen, bleibt das öffentliche und wirtschaftliche Leben weiterhin stark eingeschränkt. Die Arbeitssituation in den Unternehmen der Bauzulieferindustrie wird sich durch diese Maßnahmen kaum verändern: Die Mitarbeiter arbeiten weiterhin aus dem Home-Office. Nur die Servicetechniker werden teilweise, natürlich unter Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen, wieder in den Außendienst geschickt, um den Kunden den gewohnten Service zu bieten.

Generell steht für alle Gesprächsteilnehmer der Kunde im Fokus aller Bemühungen: Denn in diesen Zeiten gilt es mehr denn je, für den Kunden da zu sein und ihn fachgerecht und kompetent zu beraten – so lassen sich Kunden von der Konkurrenz zurückerobern.

Bemühungen, Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen zu realisieren, werden konsequent weiterverfolgt. Kostenstrukturen im Marketing werden angepasst, ebenso bleiben Reiseaktivitäten auf ein Minimum beschränkt. Messeauftritte und Veranstaltungen in der zweiten Jahreshälfte sind bereits jetzt proaktiv abgesagt, um „No-Show“-Kosten zu vermeiden. Auch die zweite Konferenz war geprägt von einem offenen und ehrlichen Austausch zwischen den verschiedenen Branchenvertretern der Bauzulieferindustrie. Danke dafür an alle Teilnehmer.

Wir freuen uns auf die dritte und letzte Zusammenkunft „Gemeinsam besser“ in zwei Wochen.


KEYLENS gibt es, um Unternehmen durch mehr Marktorientierung erfolgreicher zu machen. Unser Ansatz dazu: Customer Centricity. Wir sind eine Strategieberatung mit der Bauzulieferindustrie, d. h. der Bauindustrie mit Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe, als einem von 5 Branchenschwerpunkten. Als Strategie-/ Unternehmensberatung beraten wir Hersteller, Großhändler, Fachhändler und DIY-Ketten “end to end” bei folgenden Themen: Wachstumsstrategie, Kundenzentrierung und Kundenmanagement, Customer Experience Management, Marketingstrategie, Vertriebsstrategie sowie Digitale Transformation.


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