„Vollgas bei angezogener Handbremse“

Dritter unternehmensübergreifender Austausch in der Bauzulieferindustrie zu Maßnahmen und relevanten Servicekonzepten in der Zeit nach Corona

Am Donnerstagabend, 30. April 2020, fand die dritte und letzte von KEYLENS initiierte Videokonferenz zum unternehmensübergreifenden Austausch für Bauzulieferer zum Thema Handlungsfelder rund um die Corona-Krise statt.

In den beiden Gesprächen zuvor waren Zukunftsszenarien, Konzepte und auch die Auswirkungen der Regierungserklärung vom 15. April 2020 thematisiert worden. Am gestrigen Abend wurden konkrete Maßnahmen diskutiert, wie in den nächsten Monaten die Umsätze gesteigert werden können. Zudem wurde eingehend die Frage erörtert, ob die Weiterentwicklung des Serviceportfolios zur Differenzierung und Ertragssteigerung trotz Corona weiterhin die gleiche strategische Bedeutung hat.

Die Stimmung in der Bauzulieferbranche hat sich in den letzten Wochen leicht verbessert. Wurde bei der Gesprächsrunde vor vier Wochen noch über zu erwartende Umsatzrückgänge diskutiert, zeigt sich jetzt, dass sich das Risiko- und Krisenmanagement in vielen Teilen der Branche ausgezahlt hat und sogar punktuelles Wachstum verzeichnet wird. Die Versorgungslage (Logistikketten, Warenverfügbarkeit etc.) konnte bis auf wenige Ausnahmen aufgrund großer Anstrengungen stabilisiert werden, sodass alle Teilnehmer vollumfänglich lieferfähig sind.

Im Servicebereich (z. B. Vorort-Baustellenservice) gibt es weiterhin Einschränkungen, da aus Infektionsschutzgründen der Vertrieb weitgehend aus dem „Home-Office“ agiert und interveniert. Die Nutzung digitaler Technologien (Video-Call etc.) kompensiert aber diese Einschränkungen größtenteils.

Die Krise ist jedoch noch nicht vorüber. Es wird auf unabsehbare Zeit mit den veränderten Arbeitsbedingungen gerechnet. Die neuen Arbeitsprozesse sind nun aber weitgehend eingespielt und den Umständen entsprechend effizient organisiert. Die Fragen, die alle Teilnehmer beschäftigen, sind: Welche der neuen Arbeitsprozesse können zukünftig beibehalten und verstetigt werden (z. B. Videokonferenzen statt Dienstreisen)? Und was ist notwendig, um nicht in alte, gelernte Routinen zurückzufallen? Es ist zudem zu erwarten, dass mit Big Data und künstlicher Intelligenz einige Trends und Technologien deutlich schneller in der Bauzulieferindustrie Einzug halten, als das vor Corona zu erwarten war.

In den meisten Segmenten der Bauzulieferindustrie sind die Auftragsbücher der Fachhandwerker Stand heute gut gefüllt, auch wenn Auftragsverschiebungen in einzelnen Segmenten (z. B. staatliche Großbaustellen, auf denen Abstandsregeln nicht eingehalten werden können) stattfinden. Die Nachfrage im Sanierungsbereich ist zwischen den Gewerken aktuell leicht schwankend. Im Sommer wird ein Wettbewerb der Gewerke um die Budgets der zu Hause gebliebenen und renovierungsbereiten Immobilienbesitzer erwartet. Die Vermutung, dass die Verkäufe im Neubau und Projektbereich drastisch einbrechen, hat sich bisher nicht bestätigt.

Generell gehen die Gesprächsteilnehmer davon aus, dass die Bauzulieferindustrie zum aktuellen Zeitpunkt wohl eher mit einem „blauen Auge“ davonkommt und nicht vor einer tiefgreifenden, strukturellen Krise steht, wie beispielsweise der Tourismus.

Die Politik ist allerdings gefragt, Maßnahmen und Regelungen zu treffen, um die Bearbeitungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Die fehlenden Kapazitäten in den Bauämtern und die damit verbundenen Verzögerungen von Genehmigungen zukünftiger Bauvorhaben könnten sonst dazu führen, dass es in der Bauzulieferindustrie insbesondere im Objektbereich und bei Mehrzweckgebäuden zu einer zeitlich verzögerten Krise kommt.

Anders als in der DACH-Region sieht die Entwicklung in anderen europäischen Ländern aus: Trotz der angekündigten Lockerungen der Beschränkungen ist die Wirtschaft dort zumeist noch im absoluten Notbetrieb. Signale, die eine kurzfristige Besserung erwarten lassen, sind bisher nur punktuell zu identifizieren.

Was die Teilnehmer schmerzlich für sich festgestellt haben: Ihre Prozesse, Betriebe und Produkte sind noch nicht so weit digitalisiert, wie sie sich das in der jetzigen Situation gewünscht hätten. Der Fernzugriff auf Heizungs- oder Lüftungsgeräte hätte in diesen Tagen für jeden Hersteller einen erheblichen Mehrwert im Gegensatz zur Konkurrenz bieten können. Neuartigen Servicekonzepten, wie sie mit den Start-ups Einzug in die Bauzulieferindustrie halten, könnten zudem noch nicht in dem gewünschten Maße pariert werden.

Auch mit COVID-19 sehen die Teilnehmer das Potenzial von Serviceleistungen produktabhängig und
-unabhängig als sehr hoch an. Sie planen weiterhin, in neue Servicekonzepte zu investieren, um sich am Markt zu differenzieren und neue Ertragsquellen zu erschließen. Aus dem Kompetenzprojekt 2020 „Servicekonzepte 202x. Volle Kraft voraus!“ erhalten die Teilnehmer und langjährige KEYLENS-Partner einen tiefgreifenden Einblick in aktuelle und zukünftige innovative Servicekonzepte.

„Gas geben, gleichzeitig aber auch immer auf der Bremse stehen“ lautet die Devise in vielen Branchenbereichen. Auf der einen Seite werden größtmögliche Anstrengungen unternommen, um den operativen Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten und den Kunden trotz Krisensituation bestmöglich zu bedienen. Auf der anderen Seite wird kosteneffizient agiert und alle Prozesse werden laufend auf mögliche Einsparpotenziale untersucht.

In unserem Gespräch wurden mehrfach die Mitarbeiter als wichtigstes Gut hervorgehoben und ihre Flexibilität in dieser Situation wertgeschätzt. Es wird anerkannt, dass jeder Mitarbeiter im Moment Großes leistet und durch Flexibilität, Arbeitsleistung und Fokussierung einen enormen Beitrag leistet. Die Wertschätzung gilt jedem einzelnen Mitarbeiter im Betrieb. Entsprechend haben auch weiterhin Sicherheit und Gesundheit der „Mannschaft“ genauso Priorität wie das Vermeiden von Entlassungen.

Auch unsere dritte und letzte Konferenz war ein voller Erfolg für alle Seiten.

Wir freuen uns auf unsere zukünftige Zusammenarbeit und wünschen Ihnen, Ihren Betrieben und Ihren Familien alles Gute.


KEYLENS gibt es, um Unternehmen durch mehr Marktorientierung erfolgreicher zu machen. Unser Ansatz dazu: Customer Centricity. Wir sind eine Strategieberatung mit der Bauzulieferindustrie, d. h. der Bauindustrie mit Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe, als einem von 5 Branchenschwerpunkten. Als Strategie-/ Unternehmensberatung beraten wir Hersteller, Großhändler, Fachhändler und DIY-Ketten “end to end” bei folgenden Themen: Wachstumsstrategie, Kundenzentrierung und Kundenmanagement, Customer Experience Management, Marketingstrategie, Vertriebsstrategie sowie Digitale Transformation.

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